Sengoku

Sengoku Densyo

戦国伝承

  • SNK

  • 1991

  • Brawler | Scrolling Beat'em Up

  • NGH / AES | MVS | CD

  • 55 Megs

  • 1-2 Players

Sengoku! Selten ist mir ein Review schwerer gefallen, denn Licht und Schatten liegen hier wirklich sehr eng beieinander, ohne dass auf den ersten Blick eine Seite die Oberhand gewinnen würde. Objektiv sieht Sengoku für sein Alter gar nicht mal so schlecht aus, und das Intro „erinnert“ dank der genialen Samples schon gewaltig an Samurai Spirits (ich hatte eh beim Spielen des öfteren den Eindruck, SNK hätte bei SS ein paar der Sengoku Samples wieder benutzt… kann aber auch Zufall sein). Nachdem nun auch endlich klar ist warum 400 Jahre nach der Epoche des Sengoku Jidai keine Samurai mehr auf die Jagd nach dem bösen Dämonen-Warlord gehen (ganz im Gegensatz zu der verworrenen Zeitreise-Story bei Sengoku 2), bleibt jedoch noch immer die Frage warum es ausgerechnet amerikanische Catch-Typen (was so alles ans Licht kommt wenn die beiden keine Waffen haben…) als Helden sein müssen! Diese beiden Charakter sind, wie auch bei Sengoku 2, eine der wirklichen negativen Seiten des Games. Was sich SNK dabei gedacht haben bleibt schleierhaft (zum Glück hat Sengoku 3 da ja endlich mehr zu bieten). Fast noch schlimmer als das Manko der Charaktere ist aber, dass Sengoku im Gegensatz zum Nachfolger noch mehr wie ein normales scrollendes Prügelspiel ausgelegt ist und Ihr die verschiedenen Schwerter nur als temporäres Extra benutzen dürft. Das ist sehr schade, denn dadurch geht einiges von dem einzigartigen japanischen Flair (ober besser gesagt das was dank der Charaktere noch übriggeblieben ist) direkt wieder verloren. Auch gibt es noch kein Blocken wie bei Sengoku 2 (wie auch ohne Schwert), wodurch das Gameplay etwas stupider wirkt. Wenn Ihr aber mal die von diversen erledigte GegnerInnen hinterlassenen verschieden farbigen Energiebälle aufgesammelt habt können die beiden Protagonisten entweder ein Katana, oder zwei (Niten-Ichi-Ryu) oder auch ein europäisches Schwert in die Hände bekommen. Diese bleiben aber nur viel zu kurz wirksam, und sehr schnell muss sich der eigene Typ wieder auf seine Fäuste und Füsse verlassen. Was aber gar nicht so schlecht funktioniert, denn die beiden Helden sind z.B. in der Lage gegnerischen Samurai mal eben mit der Faust die Schwertklinge durchzubrechen! Auch eine Leistung… Wie bei Teil 2 gibt es zudem auch hier schon drei „alter-Egos“ (Ninja, Hund und Samurai), in die sich die eigene Figur verwandeln kann wenn die Charaktere zuvor Ihre Hilfe angeboten haben. Dies ist bei Sengoku sogar vorteilhaft, denn der Samurai z.B. hat natürlich immer ein Schwert.

Besser als im zweiten Teil gefallen mir aber bei Sengoku die fast noch krasseren „Traum-Abschnitte“, die viel länger sind als bei 2 und oft zu einem Boss führen. Dazu haben sie wirklich hervorragende Musik (teilweise mit Kabuki-Erzähler) und Sound-FX zu bieten und sind vielleicht noch etwas surrealer. Mein Favorit ist eine japanische Landschaftsmalerei als Hintergrund, aus der die verschiedenen gemalten Figuren als Gegner heraustreten! Genial! Aber auch in den normalen Levels wird nicht mit Effekten und Gags gespart: einmal entzündet sich aus einer Tankstelle ausgelaufenes Benzin (sieht zwar mehr aus wie Rohöl, aber was soll’s), ein anderes mal prügelt Ihr euch an der „Boutique Athena“ (in Original-Schrift!) vorbei. Der Grafik ist ihr Alter zwar schon deutlich anzumerken, aber sie sieht trotzdem nicht wirklich schlecht aus (vor allem wenn die Gegner aus der im Hintergrund schwebenden Burg des Fürsten herauskommen und herangezoomt werden). Nervig dagegen ist, das getötete Gegner immer mit diesem typischen SNK-3D-Effekt „nach hinten unten rausgedreht“ werden. Das ging mir persönlich ganz gut auf die Nerven, und ist ja leider bei diversen Prügel-Scrollern von SNK zu finden. Wegen der vielen guten und innovativen Ideen, die in Sengoku stecken (und natürlich auch wegen des guten Sounds), kann ich wirklich nicht behaupten das es gar nichts taugt, aber die vielen spielerischen Mängel drücken trotzdem gewaltig den Spielspass. Als Stück in der Sammlung kann es, zu einem guten Preis gekauft, sicher nichts schaden, aber ich denke nicht das irgend jemand Sengoku nach einmaligem Durchspielen noch einmal alleine anfassen wird. Zu zweit macht es zwar mehr Spass, aber das reisst es auch nicht raus.

LFO