Sengoku 3

Sengoku Legends 2001

戦国伝承 2001

  • Noise Factory

  • 2001

  • Brawler | Scrolling Beat'em Up

  • NGH / AES | MVS

  • 346 Megs

  • 1-2 Players

Hätte ich vorher nicht Spiele wie Die Hard Arcade 2 (aka Dynamite Deka 2) auf dem Dreamcast gesehen, ich würde glauben das Beat-em-up-Genre sei tot. Selten habe ich ein so durchschnittliches Spiel gedaddelt wie Sengoku 3. Zehn Jahre nach Teil 1 schließt der unbekannte Entwickler Noise Factory die Trilogie um den bösen Blablabla (wen interessiert’s?) ab. Eine weitere Fortsetzung bleibt uns hoffentlich erspart. Verstehen Sie mich nicht falsch: Sengoku 3 oder Sengoku Legends 2001 wie es in Japan heißt, ist kein schlechtes Spiel. Allerdings hatte ich einfach etwas mehr erwartet als eine lieblose 364-Meg-Fließbandproduktion.

Dabei bietet das Spiel auf den ersten Blick beste Voraussetzungen für ordentliche Faustkampfunterhaltung der alten Schule: Schläge, Würfe, Spezial-Attacken und Horden von Gegnern, die mal ordentlich die Fresse poliert bekommen möchten. Sogar Bomben, Ninja-Sterne oder Dolche können den Burschen vor den Latz geknallt werden. Ein cooles Combo-System gibt zudem nicht nur Punktesammlern einen Anreiz sich für das richtige Prügel-Timing anzustrengen. Die aufgedonnerte Grafik mit den großen Spielfiguren ist aber an sich schon der erste Kritikpunkt. 1. Sie ist zu bunt: Die düster gruselige Atmosphäre der beiden Vorgänger hat sich dadurch in Luft aufgelöst. 2. Die Übersicht leidet: Dadurch dass die eigene Spielfigur jeweils nur ein paar Schritte von Bildschirmrand zu Bildschirmrand braucht, ist man für durchdachte Taktiken oft zu eingeengt. Und dass die Gegner nicht wie Anno dazumal oft außerhalb des sichtbaren Bereichs herumstehen, sollte man von einem „modernen“ Vertreter des Genres ebenfalls erwarten können. Blocken ist übrigens nicht möglich.

In den sechs Levels gibt es vereinzelt sogar Abzweigungen (auch geheime), die man nehmen kann. Das macht allerdings auch keinen großen Unterschied, denn die Hintergründe sehen sich immer ähnlich und die Gegner wiederholen sich ständig. Im Grunde ist man froh, wenn man den Mini-Abspann serviert bekommt und das Modul einmotten darf. Bei mir kam jedenfalls bereits beim ersten Spielen nach dem x-ten quiekenden „Frau-mit-Klinge-Gegner“ oder der x-ten Angriffswelle extrem nervtötender Greifvögel dezente Langeweile auf. Wenigstens haben sich die Entwickler von den seltsamen Bodybuilder-Helden aus den Vorgängern verabschiedet. Die sechs neuen, asiatischen Spielfiguren (zwei besiegte Zwischengegner kommen zu dem Startquartett hinzu) besitzen überdies tatsächlich einen jeweils eigenständigen Stil.

Eigentlich müsste man froh sein, dass SNK nur wenige Tage vor der Firmenpleite Sengoku 3 noch als Heimmodul auf den Markt geworfen hat. Andererseits hätte ich dem Neo-Geo-Erfinder einen würdigeren Abschied gewünscht. Den aktuellen Preis ist Sengoku 3 jedenfalls nicht wert. Sollten Sie es irgendwann einmal günstig angeboten bekommen, dürfen Sie aber trotzdem einen Blick riskieren. Stellen Sie sich in dem Fall einfach vor, das Spiel sein von 1995, dann ist die Enttäuschung weniger groß. Ich persönlich bleibe bei Burning Fight, das macht mir mehr Spaß.

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