Rage Of The Dragons

レイジ・オブ・ザ・ドラゴンズ

  • Evoga Entertainment

  • 2004

  • Beat'em Up

  • NGH / AES | MVS | CD

  • 564 Megs

  • 1-2 Players

Ursprünglich war Noise Factory’s Rage of the Dragons als neuester Teil der Double Dragon Saga geplant, da sich Evoga Entertainment zu der Zeit der Entwicklung stark auf den mexikanischen Markt konzentrierte und Technos‘ erstes NeoGeo Double Dragon in den dortigen Spielhallen ein Überraschungshit gewesen ist. Aus der ersehnten Lizenz ist dann allerdings doch nichts geworden und aus Billy und Jimmy Lee wurden kurzerhand Billy und Jimmy Lewis und Lieblingsgegner Abobo heisst jetzt halt Abubo.

An ihrem gemeinsamen Hobby, sich ordentlich zu prügeln, hat sich freilich nichts geändert und so kann man sich schnell ausmalen, was passiert, wenn die Lewis Brüder und zwölf weitere Raufbolde in Sunshine City als Tag Teams aufeinandertreffen.

Spielerisch gibt sich Rage of the Dragons sehr combolastig, wobei die Ausführung derselben sehr zugänglich gestaltet wurde und selbst vom Scheitern gezeichnete Combomuffel kommen hier sehr schnell auf ihre Kosten. Das liegt vor allem an den Jugglestartern, die via Druck der Tasten C+D ausgeführt und mit einer Charakterspezifischen fünfstelligen Tastenkombination, die am unteren Bildschirmrand eingeblendet ist, fortgesetzt wird. Am Ende dieser Combo könnt ihr nach Herzenslust normale Attacken, Specials oder gar Supermoves anbringen. Geübte Prügelexperten können da nur müde lächeln, erfreuen sich aber dennoch am Tag-Play Feature, das nach Kizuna Encounter endlich mal wieder Einzug in die NeoGeo Arena hält: durch drücken der Tasten B+C kann, soweit die Tag-Leiste eures Partners aufgeladen ist (dauert ungefähr 6-7 Sekunden nach jedem Tag), zwischen den beiden Kämpfern gewechselt werden und durch zusätzlichen Einsatz von Powerstocks können auch hier interessante Combos gezaubert werden. Natürlich dürfen auch Team-Up Supermoves, sogenannte Duplex Manöver, nicht fehlen. Solche artistischen Combos gestalten sich wesentlich spektakulärer, wenn man sich an die vorgegebenen Team-Kombinationen beim Auswählen der Charaktere hält.

Neben bekannten Featuren wie Rollen und Ausweichen dürft ihr auch auf Kosten eines Powerstocks einen Offensiv Counter ausführen oder ihr habt die Möglichkeit zu Gunsten eures Partners aufzugeben, dessen verbleibender Powervorrat dann dupliziert wird. Selbsverständlich dürfen auch Supermoves nicht fehlen, die es bei Rage of the Dragons jeweils in zwei Versionen gibt. Eine normale und eine extra starke Ausführung, deren Eingabe respektive via leichtem bzw. harten Attackbutton vollendet wird und dementsprechend einen oder zwei der wertvollen Powerstocks kosten.

In Sachen Grafik und Animation kann das Spiel nur mässig punkten. Zwar wirkt das Charakterdesign auf dem Papier mehr als ansprechend, in Bewegung allerdings sieht die Welt da etwas anders aus. Grundstellungen wirken steif, Specialmoves haben seltsame Bewegungsabläufe, Mid-Air Specials haben eigenartige Flugbahnen und die Special FX, wie Flammen und Projektile passen nur selten zueinander. Interessanterweise gibt es hier Ausnahmen, und einige Charaktere, z.B. die Lewis Brüder, Pepe, Pupa und Lynn, weisen diese Mängel nicht auf. Der Verdacht eines vorzeitigen Abschlusses der Entwicklung drängt sich hier unweigerlich auf. Positiv aufgefallen sind immerhin die On-Screen Displays und auch der Miracle Hintergrund beim Aktivieren eines Supermoves oder die Partikel Explosion, wenn man durch eine Spezial Attacke gewinnt, wissen zu überzeugen.

Die Stages reissen verwöhnte NeoGeo User nicht wirklich vom Hocker. Digitalisierte Bilder wurden auf die Neo Farbpalette runtergerechnet und mit Pixelmustern hier und da ‚verschönert‘. Während der Schoolyard und der Tempel noch halbwegs vertretbar sind bildet die Clubstage den traurigen Höhepunkt dieses Debakels. Einige Stages haben am Bildschirmrand eine zerstörbare Begrenzung, die nach zweimaligem Kontakt mit einem getroffenen Gegner nachgibt und das Areal nochmal ein kleines Stück vergrössert. Beim Kontakt mit der Barriere prallt der Gegner übrigens nach oben ab und ist wieder offen für eine weitere Attacke. Dies macht sich hervoragend als Juggle zwischen zwei grösseren Combos.

Wo im Hinblick auf grafische Aspekte immer noch ein Auge zugedrückt werden kann, ist beim Thema Bossfight selbst für die extremsten Optimisten unter den NeoGeo Freaks Hopfen und Malz verloren. In dieser Disziplin haben Noise Factory ihr absolutes Nulltalent bewiesen und gehören eigentlich sofort mit einer Roten Karte vom Platz verbannt. Nicht nur, dass der Schauplatz des Spektakels absolut eintönig ist und das Mister Black Dragon himself, der sich Johann nennt, absolut fehldesignt ist; Nein… er muss auch noch das fehlende Knowledge der Programmierer eine halbwegs faire KI gebacken zu bekommen, durch emsiges Moveslesen, minimale Schadenseinbussen und absolut Null Recoveryzeit (egal ob Special- oder Supermove) kompensieren. Natürlich kann Johann euch auch aus jeder erdenklichen Lage heraus greifen um euch danach noch einen Special reinzuknallen. Netterweise kann er auch den hereinstürmenden Partner beim taggen greifen, noch bevor ihr die Kontrolle über den Spieler erlangt, was Zweifels ohne ein grober Bug ist. Alles in allem reiht sich dieser Boss eigentlich nahtlos zu Shin Zero/Igniz aus KoF2001 und Rugal aus KoF2002 in Playmore’s Liste schlechter und überflüssiger Bosse ein.

Extrem abgedreht gibt sich RotD in der musikalischen Abteilung. Agressive Riffs wechseln sich ab mit harten elektronischen Klängen und kräftigen Synths und machen auch mal Platz für südamerikanischen Flair (Schoolyard Stage). Die Tracks der Temple- und Kirchen Stage heizen ordentlich ein und vor allem letzterer sorgt mit seinen Glockensamples für die Art von musikalischer Unterstützung, die das Spiel so bitter nötig hat.

Rage of the Dragons hat es nicht leicht. Das witzige, leicht zugängliche Combo-Gameplay gepaart mit Tag-Features muss gegen eine teilweise arg schlampige Optik und den Vorwurf der zu geringen Spieltiefe bestehen und kann sich dabei aufgrund eines absolut unfairen Bosses nicht einmal auf das Argument, es sei auf Genreanfänger ausgelegt, beruhen. Was bleibt, ist ein unterhaltsamer Multiplayerspass, mit einigen wenigen Charakterhighlights und einem abgefahrenen Soundtrack.

KGenjuro | Torsten