Ninja Master’s

Haoh-Ninpo-Cho

ニンジャマスターズ ~覇王忍法帖~

  • ADK / SNK

  • 1996

  • Beat'em Up

  • NGH / AES | MVS | CD

  • 330 Megs

  • 1-2 Players

‚Was ist die beste Ninja-Technik?‘ fragt Meister Shiro seinen Schüler Ao-Kage in Hiroyuki Nakano’s Film ‚Red Shadow‘. Dem ratlosen Schüler erklärt er daraufhin, dass ‚wegrennen‘ die beste Technik der Ninja sei, denn ‚Wir sind keine Samurai!‘. Worauf er hinaus wollte, ist sicherlich, dass ein Ninja nicht für den Kampf lebt und sein Leben nicht achtlos auf’s Spiel setzen soll, da es gilt Informationen zu sammeln, heimtückische Morde zu verüben und um jeden Preis zu überleben. Für Ehre ist da wenig Platz.

Weder im weiteren Verlauf von Hiroyuki-sama’s Werk noch in Ninja Master’s interessiert das die Protagonisten allerdings auch nur die Bohne. Hier wird imposant in die Ninja-Trickkiste gegriffen und mit Shuriken und Messern auf alles geworfen, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist. Storymässig verfolgt jeder Schattenkrieger seine eigenen persönlichen Interessen, die sie letzten Endes immer in die Hände des gnadenlosen Kriegsherren Oda Nobunaga und seinem jugendlichen Geliebten Ranmaru treiben.

Die Riege der Charaktere bietet für jeden Geschmack etwas und lässt kaum Wünsche offen. Als da wären: Sasuke, der freundliche Ninja, der seinen Klan verlassen hat, um seine Freunde nicht zu gefährden; Kamui, Sasuke’s Trainingspartner und Freund aus Kindertagen, den er jetzt, entsprechend dem Gesetz der Ninja für das Verlassen des Klans verfolgt, um ihn zu stellen und zu töten; Goemon, eine Art feudaler japanischer Robin Hood; Raiga, der Kopfgeldjäger auf der Fährte Goemon’s; Karasu, ein dämonenhafter Schwertkämpfer; Houho, ein Exorzist; Unzen, ein ausgestossener Mönch; Kasumi, jüngster kämpfender Spross des Kurenai Klan; Natsume, Tochter einer Rashamen und Tenho, ein koreanischer Taoist, auf der Suche nach dem Bösen in der Welt. Letzteres wird von Oda Nobunaga repräsentiert, der an den gleichnamigen japanischen Kriegsherren angelegt ist und mit seinen zwei Schwertern und dämonischen Kräften darauf wartet euren Recken in Grund und Boden zu schlagen. Vorher allerdings bekommt ihr es noch mit seiner rechten Hand, dem jünglichen Ranmaru zu tun. Auch dieser Vorendgegner basiert auf dem historischen Ranmaru, dem eine Affäre mit Oda Nobunaga nachgesagt wurde.

Hat man sich für eine Person entschieden, geht’s in die Vollen. Mit zwei Punch und zwei Kick Tasten versucht ihr euch mit mysteriösen und weniger mysteriösen Ninja Techniken in Richtung Oda-Sama zu schlagen. Das Ninja Master’s Gameplay gibt sich hierbei stark Chaincombo-orientiert was zum einen sehr interessant ist, zum anderen bleibt wie beim ebenfalls Combo-orientierten Genre-Kollegen Last Blade, das Waffenfeeling komplett auf der Strecke. Und das obwohl man mit Druck auf die Tasten B+C ständig zwischen Faust- und Waffenkampf wechseln kann. Dieses Feature wirkt sich neben feinen Unterschieden in der Angriffsgeschwindigkeit, oft auch auf die Specialmove Palette des jeweiligen Charakters aus.

Eine Powerleiste darf natürlich auch nicht fehlen und aufgeladen habt ihr die Möglichkeit folgende Super Attacken auszuführen: ein Super Move, eine Super Combo, ein Finish Move (hier muss die Energie eures Gegners zusätzlich noch sehr niedrig sein) oder die Aktivierung eines zeitlich begrenzten Hypermodus durch gleichzeitiges Drücken der Tasten A,B und C. Letzterer erlaubt euch wiederum die Ausführung der ersten drei Techniken. Ist euer Recke stark angeschlagen könnt ihr auf den normalen Super auch ohne Powerleiste und Hypermode zurückgreifen. Einige Joystick-Bewegungen, die für die Superattacken nötig sind, wirken verglichen zu anderen Genre-Vertretern etwas abstrakt. Neben den Super Attacken wirkt sich die Power, genau wie eine blinkende Lebensenergieleiste, auch auf jeweils eine normale Technik eines jeden Kämpfers aus. Diese wird dann in einer wesentlich stärkeren Version ausgeführt.

Grafisch kann man Ninja Master’s grösstenteils als sehr gelungen bezeichnen. Die Stages sehen alle überdurchschnittlich gut aus, es gibt sie in zwei Ausführungen (Tag und Nacht), und sie tragen unter’m Strich ordentlich zur düsteren Atmosphäre des Spiels bei. Die Charaktere sind überwiegend gut designt (die beiden weiblichen Protagonisten kommen hier etwas zu kurz) und extrem weich animiert, allerdings wirken Bewegungen und Spezialattacken teilweise recht hölzern bis versteift, was dem Spiel schonmal die Dynamik nehmen kann, wenn man den Gegner gerade mal wieder mit Chains eindeckt und dabei eine Figur wie Pinoccio macht. Hier wäre entsprechendes Finetuning angebracht gewesen, da gerade dieser Punkt das Gesamtbild des Spiels stark belastet. Seltsam wirkt auch die Flugphysik bei vielen Midair Specials. Sasukes Uppercut z.B. hat eine extrem eckige Flugbahn und Kamui liegt bei seinem Sprungkick Special dermassen gerade wie ein Brett in der Luft, dass selbst Chun Li neidisch werden könnte. Als grafische Finesse erweisen sich die Siegerportraits, welche wirklich allesamt genial gezeichnet sind und in düsteren Farbtönen gehalten wurden.

Musikalisch geht es, sofern keine Melodie anfängt umherzududeln, ausnahmslos düster zu. Erdrückende Strings und hallende Trommeln addieren sich zu angsteinflössender Stimmung und runden das dunkle Ninja Master’s Setting sehr schön ab.

CD-User können sich neben dem klaren Klang der Musik auch über einen Trainings Modus freuen, der gerade in diesem Spiel ein super Feature ausmacht. Werden zwar auch Anfänger relativ schnell die einfachen 3-4 Hit Chain-Combos anbringen können, so sind die Kombinationen höherer Level zusammen mit den Super-Manövern schon wesentlich anspruchsvoller und erfordern ein hohes Mass an Training. Auch die KI kann einen ganz schön auf Trap halten, wenn man mal wieder mit einem Hagel an Projektilen auf Distanz gehalten wird.

Fazit: Ninja Master’s ist ein ordentliches Beat’em-Up, das einfache und anspruchsvolle Techniken in seinem Gameplay vereint, dessen optischer Gesamteindruck allerdings durch teilweise undynamische Bewegungen/Moves geschmälert wird.

KGenjuro | Torsten