Neo Turf Masters

Big Tournament Golf

ビッグトーナメント ゴルフ

  • Nazca

  • 1996

  • Sport

  • NGH / AES | MVS | CD

  • 133 Megs

  • 1-2 Players

Auch auf dem NeoGeo haben User, dank Nazca, die Möglichkeit am nicht mehr ganz so elitären Sportspektakel, dem Golfen teilzunehmen. Und dank technischem Knowhow auch wieder in gewohnt guter Nazca Manier. Mit Neo Turf Masters ist den Jungs und Mädels aus Osaka nämlich ein grosser Coup gelungen in Sachen Golfsimulation, aber eins nach dem anderen.

Für einen von sechs Golfern müsst ihr euch entscheiden, wobei sich jeder einzelne in Nationalität und sechs Parametern unterscheidet (siehe Bild 5). Während der Japaner Takano mit seinem letzten Holz nur auf 260 Yards kommt, holt Robert Landdort für Deutschland schon mal 280 Yards raus. Im Putten ist er dann allerdings nicht ganz so feinfühlig wie der Japaner. Wer’s ganz brachial mag, setzt auf den Brasilianer, dessen Technik zwar zu Wünschen übrig lässt, der aber bei Abschlagrekorden ganz oben mitmischt. Die sechs Golfer sind also nicht nur optische Zierde, sondern erfordern jeder eine eigene Spielweise.

Als nächstes geht es auf den Platz. Hier dürft ihr euch zwischen vier Golfturnieren entscheiden, die jeweils in einem bestimmten Land abgehalten werden. Neben Japan, Deutschland und Australien, habt ihr auch die Möglichkeit auf einem Platz am Grand Canyon zu spielen, natürlich inklusive dem berühmten Abschlag über denselben. CD-User können sich freuen, denn exklusiv wird ihnen ein weiterer Platz geboten, im schönen Schottland. Das witzige an dem Grün: es ist sehr verwahrlost und nur so gespickt mit Bunkern und kleinen Tümpeln, so das oftmals Trickshots nötig sind, um hier nicht über Par zu spielen.

Seid ihr dann endlich mitsamt Caddy und Gefolge am ersten Abschlagpunkt angelangt, geht es an’s Eingemachte. Jeder Abschlag wird aus der Third Person Perspektive gezeigt, sprich die Kamera steht hinter dem Spieler. Nun könnt ihr euch in Ruhe an die Auswahl an Schlägern machen, um den effizientesten unter ihnen herauszusuchen und einen möglichst weiten Abschlag hinzulegen. Alle wichtigen Informationen, wie Wind, Distanz zum Loch, eure Stance (dazu später mehr), die Durchschnittsweite eures gewählten Schlägers und die Richtung eures Schlages auf einer kleinen Karte könnt ihr bequem auf einen Blick erfassen.

Um einen Schlag auszuführen, müsst ihr nachdem ihr euch für ein Holz oder Eisen entschieden habt, zuerst mit dem Stick die Richtung ausloten. Wer die Fahne noch nicht sieht, richtet sich hierbei nach der kleinen Übersichtskarte, rechts oben in der Ecke. Beim Einstellen der Richtung muss natürlich auch der Wind beachtet werden. Nach bestätigen der Richtung mit der A-Taste, könnt ihr eure Schlagstärke anhand einer Anzeige in der unteren rechten Ecke ablesen. Diese Anzeige lädt und entlädt sich im gleichmässigen Intervall. Je nach Golfer unterscheidet sich diese Anzeige übrigens und ist entweder länger oder kürzer und auch die Geschwindigkeit des Aufladens variiert (je besser der Technik-Atribut ist, desto langsamer, sprich feinfühliger).

Durch weiteres Drücken der A-Taste wird der aktuelle Stand der Schlagleiste eingefroren und eine zweite Anzeige setzt sich in Bewegung: der Aufschlagpunkt auf den Ball. Jetzt dürft ihr entscheiden, ob ihr den Ball weiter oben, für einen flachen Flug, oder weiter unten, für einen Heber anspielt. Aber Vorsicht: am jeweils oberen und unteren Rand der Anzeige gibt es rote Bereiche, die einen Schlag ins leere, bzw. in den kostbaren Rasen bewirken.

Für gewiefte Trickser unter den Hobbygolfern, gibt es noch die Möglichkeit, während der Auswahl eines Schlägers die eigene Stance zu verändern. Durch drücken der B-, bzw. C-Taste führt ihr respektive einen Hook, bzw. Slice aus, sprich: ihr gebt eurem Ball einen Links-, bzw. Rechtsdrall, der sich in einer krummen Flugbahn auswirkt. Den Hook und den Slice kann man jeweils in drei verschiedenen Stärken einstellen und geübten Spielern verwandeln so ihre Schläge in witzige Trickshots.

Apropos Schlagmodifikationen: bei einem Abschlag könnt ihr den Spin durch nach oben oder nach unten drücken des Sticks beinflussen, was sich beim Landen des Balles auf dessen Verhalten auswirkt. Beim nach oben drücken gewinnt euer Ball an Geschwindigkeit, wobei ein nach unten drücken schon mal einen Sprint nach hinten bewirken kann. Letzteres kann auch beim Schlag auf’s Grün (die Rasenfläche um die Fahne) angewendet werden, ist aber mit Vorsicht zu geniessen, denn nicht selten verlässt der Ball jenes wieder durch einen ungeschickt eingesetzten Backspin.

Nach einem gelungenen Schlag, wechselt das Spiel in eine Draufsicht und ihr könnt die Flugbahn eures Balles bequem verfolgen und gute, bzw. weniger gute Landungen in Bunkern oder kleinen Seen lassen sich so schon im Voraus erahnen.

Habt ihr es dann irgendwann mal auf das Grün geschafft, geht es an’s Putten. Hier wird in erster Linie aus der Vogelperspektive gezielt und geschlagen, aber in einem kleinen Auschnitt rechts am Bildschirm könnt ihr das Geschehen auch noch aus der Egoperspektive betrachten. Hierbei muss zusätzlich auf kleine Hügel und die Ausrichtung des Rasens geachtet werden und dementsprechend gegengesteuert, bzw. mehr oder weniger Schwung geholt werden. Die Anzeige für die Puttstärke erweist sich als sehr benutzerfreundlich, da der optimale Punkt auf der Leiste bereits markiert ist und ihr nur noch entsprechend subtraieren oder addieren müsst um die angesprochenen Einflüsse auszugleichen. Auch das ‚Putt-Meter‘ variiert zwischen den einzelnen Golfern.

Vor jedem Loch, wird euch übrigens auch eine Übersichtskarte präsentiert und dank Distanzraster, habt ihr so die Möglichkeit, eure Schläge im Vorhinein zu planen. Dies ist besonders wichtig, wenn sich, wie es bei Neo Turf Masters oft der Fall ist, Bunker oder Tümpel genau an den Stellen befinden, an denen in der Regel der Ball bei einem Schlag mit voller Kraft nach einem Abschlag landet. Ausserdem weisen euch die Karten auf zusätzliche, lochspezifische Wettbewerbe hin, wie etwa einem ‚Closest to the Pin‘ (wer ist am nächsten an der Fahne) oder ‚longest Drive‘ (längster Abschlag) Contest, an denen ihr automatisch teilnehmt. Bei erfolgreichem Brechen dieser Rekorde, die leider nicht abgespeichert werden, spendiert euch das Spiel einen zusätzlichen Reserveschlag, sogenannte Holes (sind alle Holes aufgebraucht, ist ein Continue fällig).

Grafisch präsentiert sich Neo Turf Masters einfach und die Umgebungen machen den Eindruck einer Modelbauplatte, was vor allem an den künstlich wirkenden Hügeln liegt und den beinahe nicht vorhandenen Animationen. Irgendwie hat diese optische Darstellung aber auch ihren Reiz. Die Golfer sind hingegen wahnsinnig weich animiert und auf Details, wie das nahende Clubhaus, beim 18. Loch wurde auch geachtet. Wichtige Aktionen, wie z.B. das Einlochen, das Abprallen des Balls an einem Baum oder Landungen in Bunkern werden in einem kleinen Fenster durch grafische Einspieler deutlich gemacht. Witzig: habt ihr eingelocht, gibt es je nachdem, wieviele Schläge ihr benötigt habt, ein anderes Portrait eures Spielers zu sehen. Ungezügelte Emotionen inbegriffen. Bei der CD-Version fehlen übrigens die Golfwagen, die bei der MVS, bzw. Heimversion zwar selten, aber immerhin ab und zu vorbei fahren.

Während Neo Turf Masters auf der musikalischen Seite mit tollen, Ohrwurmverdächtigen Melodien aufwartet und extrem vielen Sprachsamples mittlerer Qualität zu allen möglichen Situationen (Karten-Besprechung, Zuschauer Ambiente, Kommentator und sogar die Scoreboard-Besprechung), unterstützen die Sounds der Schläge noch zusätzlich das künstliche Feeling der Plätze. Es klingt wirklich so, als ob der Ball auf einer Spanplatte landet.

Der Schwierigkeitsgrad von Neo Turf Masters wird durch einige haarige, teilweise auch absurde Löcher angehoben, bei denen es nur so vor Bunkern oder unbespielbarem Gelände wimmelt. Allerdings gibt es hier fast immer eine ungefährliche Alternative, wenn man bereit ist, einen Schlag mehr auszuführen und so auf den wertvollen Birdie (einen Schlag unter Par) verzichtet. Hier erweist sich das Spiel in der Arcade schon mal als Münzgrab, denn wer nicht mindesten ein Birdie spielt, bekommt bereits eins seiner kostbaren ‚Holes‘ abgezogen, von denen jeder Spieler von Beginn an nur drei hat.

Zu guter Letzt noch mal eine freudige Nachricht für CD-User. Diese haben nämlich neben dem fünften Kurs zusätzlich zu den beiden Spielmodis Arcade und Matchplay auch noch den Handicap- und einen Turniermodus spendiert bekommen! Während man zum letzteren nicht viel sagen muss, ausser, das man verschiedene Trophäen gewinnen kann, bietet ersterer die Möglichkeit, mit einem oder zwei Spielern das persönliche Handicap zu verbessern, bzw. zu verschlechtern. Das Handicap ist so etwas wie eurer Rating beim Golf und wird durch die Gesamtzahl der Schläge, die ihr auf 18 aus allen Kursen zufällig ausgewählten Löchern erzielt habt, aufgestockt oder verringert.

Dieses Handicap, plus Dutzende Statistiken und Trophäen, auch aus den anderen Spielmodis werden in eurem Profil abgespeichert (wir erinnern uns: Nazca hat uns dieses Feature ja schon bei Metal Slug 1+2 auf CD spendiert!). Damit aber nicht genug, denn ihr könnt nicht nur ein oder zwei, sondern gleich ein Dutzend Profile anlegen, so dass dem privaten Wettbewerb unter Freunden um Birdies, Eagles, Albatrossen und Hole-in-One’s nix mehr im Wege steht! Hier noch eine kleine Warnung: beim Handicap-Modus werden auch die schwierigen schottischen Löcher ausgewählt, sobald ihr den Platz freigespielt habt!

Nazca hat sich bei diesem Spiel wirklich sichtlich Mühe gegeben und als Fazit bleibt mir nur übrig, euch diesen Titel wärmstens ans Herz zulegen. CD-User müssen sowieso wegen den einmaligen Featuren zuschlagen. Lediglich die unrealistischen Plätze drücken die Gesamtnote etwas nach unten, allerdings könnte dieser Punkt gerade für Leute, die nichts von gemütlichen Golftouren hören wollen interessant sein. Nichts desto Trotz, ein klasse Spiel!

KGenjuro | Torsten