MVS | Multi Video System

Das Neo Geo MVS ist die Arcade-Version des Neo Geo AES (Advanced Entertainment System) und war 1990, als es von SNK released wurde ein sehr großer Erfolg. Verantwortlich dafür war die damals revolutionäre Idee von SNK, die Spiele auf Modulen auszuliefern und eine im Automaten bleibende Grundhardware anzubieten. Dies war für die Arcade-BetreiberInnen natürlich um einiges billiger, als (wie bei den „normalen“ PCBs) immer gleich die ganze Platine auszutauschen. Wohingegen ein neues MVS-Modul mittlerweile so um die 1000,- DM kostet (MS3) gibt es z.B. eine ‚Tekken Tag‘-Platine erst ab 2000,- oder eine ‚Virtua Tennis‘-Platine gar erst ab 5000,-. Aus diesem Grund also ist das gute, alte MVS in den Arcades noch so weit verbreitet und blieb uns über zehn Jahre erhalten (immer noch soll es laut Aruze ca. 1,8 Millionen MVS Systeme in Arcades weltweit geben!).

Prinzipiell gilt für das MVS dasselbe, was auch für das Neo Geo Heimsystem gesagt gilt: alle Module laufen auf jeder (Länder-) Version. Wenn ein Memory-Card Slot am MVS vorhanden ist kann sogar eine Standard Neo-Memory-Card verwendet werden, die Daten sind dann auch zwischen Heimkonsole und MVS austauschbar und selbst die Sticks können an manche MVS-Boards (siehe unten) direkt angeschlossen werden. Allerdings sind MVS- und Heim-Module nicht kompatibel (verschiedene Gehäuseform, andere Pinbelegung), damit die Arcade-Menschen sich nicht die Anfangs billigeren Heimversionen holen (mittlerweile sind diese allerdings fast schon teurer als MVS-Module!).

Die MVS-Platine gibt es mittlerweile in unzähligen verschieden Versionen (von denen ich unten die mir bekannten aufzähle), die genau wie das NGH oder Neo Geo CD in verschiedenen Ländervarianten auftreten: USA, Europe-Asia, Japan. Wie bei den Heimversionen auch hat die Nationalität des MVS Einfluss auf die Sprache (ausser auf einem Jap. MVS kann ausser bei wenigen Ausnahme-Modulen keine japanische Sprache gewählt werden!!) und teilweise auch auf die Optionen im Soft-Dip-Menü (s.u.). Mindestens bei Real Bout FF2 kann auch kein Violence Mode aktiviert werden, und es läuft wie auch Zuhause ohne Blut und ohne schöne Continue-Pics auf einem nicht japanischen MVS. Diese unterschiede gibt es noch bei diversen anderen Games wie z.B. Sonic Wings 3. Krass!

Nun zu den Einstellmöglichkeiten. Prinzipiell kann beim MVS einiges mehr eingestellt werden als bei den Heimkonsolen. Die Hardware (also das MVS) wird per Hard-Dips konfiguriert, die sich als Dip-Switch Block auf der Platine selbst befinden. Mit Dip 1 gelangt der/die stolze MVS-BesitzerIn in den Test-Mode, mit Dip 7 kann „Free Play“ oder „Pay to Play“ eingestellt werden und Dip 8 ist Pause (gibt`s zum Glück am MVS, ganz im Gegensatz zu vielen anderen Arcade-Games!). Die anderen Dips beziehen sich auf die Anzahl der Coin-Slots und auf diverse Multiplayeroptionen, die selten benötigt werden (und von denen kaum jemand weiss, was sie eigentlich sollen…). Wird das MVS per Dip 1 oder Test-Switch (siehe den irgendwann bestimmt fertigen MAK-Bauplan im Workshop) in den Test-Mode geschaltet können noch einige weitere Einstellungen vorgenommen werden. Neben einem Hardware Test und diversen Menüs zum konfigurieren des Automaten (wie viele Credits pro Spiel, Sound an oder aus ohne Credit, Datum und Uhrzeit usw.) ist das wichtigste das Soft-Dip Menü. Hier kann das im jeweiligen Slot (bei Mehrslot-Systemen wählbar) steckende Modul nach Herzenslust (und den von den ProgrammiererInnen vorgegebenen Optionen) eingestellt werden. Hier finden sich dann auch solche Einstellmöglichkeiten wie 2-Player Simultan bei View Point, bei den meisten Beat’em Ups Violence an oder aus (ausser bei RB2, wie gesagt) oder es sind bei den Shoot’em Ups die Anzahl der eigenen Schiffe einstellbar (bei den alten sogar noch zwischen 1 und 99!!). Das MVS speichert die Einstellungen und Highscores der Games in acht Speicherslots in einem kleinen Onboard-RAM, was ich persönlich ebenfalls genial finde. (Das man bei NGH oder NGCD Games die Scores nicht speichern kann finde ich einen grossen Fehler von SNK!) Hier ist nur zu beachten, dass die acht Speicherslots „von oben befüllt werden“, d.h. ein neu eingestecktes Game verdrängt die alten um einen Slot nach unten, bis sie schliesslich ganz herausfallen. Wer seine Scores länger konservieren will (so wie ich) muss die betreffenden Module einfach zwischendurch immer mal wieder einlegen, damit sie in den Speicherplätzen wieder nach oben rutschen (das führt immer wieder zu dämlichen Kommentaren von Leuten, die bei mir zu Besuch sind…).

Allerdings gibt es auch ein paar Einschränkungen im Gegensatz zu den Neo Geo Heimkonsolen: z.B. kann bei keinem Beat’em Up die Zeit ganz abgeschaltet werden (meistens nur langsamer oder von bis 99), und natürlich sind die Zugaben der Heim-Versionen wie VS-Mode oder ähnliches ebenfalls nicht vorhanden.

Die Dip-Switches: der siebte Dip schaltet Freeplay ein/aus.
Zur technischen Seite: Das MVS ist nicht wirklich 100% JAMMA kompatibel (Standard für Platinen seit 1986), da es anstatt drei vier Buttons benutzt und bei Stereo-Boards der Sound etwas von Standard abweicht. Mit einigen kleinen Anpassungen kann es aber trotzdem in jedem JAMMA-Automatengehäuse oder an jeder MAK betrieben werden (schön ist es aber schon wenn das Automatengehäuse vier Buttons hat, sonst ist der Spass bei vielen Games schnell vorbei…).

Zum besseren Verständnis will ich hier noch erwähnen, dass das Neo Geo MVS (oder auch jede andere Automatenplatine) prinzipbedingt alle nötigen Bausteine zum Betrieb der jeweiligen Spiele (wie bei einer Heimkonsole) mitbringt. Eine MAK oder ein Automatengehäuse sorgen eigentlich für nichts anderes als das das jeweilige Board (MVS oder anderes PCB) mit Strom nach JAMMA-Standard versorgt wird, die Steuerdaten der Sticks an die Platine kommen und umgekehrt die Bild- und Sounddaten von der Platine an einen Monitor und Lautsprecher geleitet werden. Dies ist eigentlich eine recht primitive Sache und wird komplett über den 46-poligen JAMMA-Anschluss an der Vorderseite jedes MVS durchgeführt. Alle möglicherweise vorhandenen weiteren Anschlüsse auf der MVS-Platine dienen nur dem zusätzlichen Abgreifen des Stereo-Audio-Signals über einen anderen Stecker, dem Anschluß der Memory-Card-Slots eines Automatengehäuses (wenn Ihr das Glück habe einen original MVS-Automaten zu besitzen) und den parallelen Anschluss von Pads/Joyboards (Die Hoffnung, damit zu viert Neo Bomberman spielen zu können hat sich im Versuch mit Kgens 4-Slot zerschlagen. Die Kontrolleingänge über JAMMA-Port und Buchsen am MVS sind parallel geschaltet. Die Buchsen am Board sind bei Benutzung einer MAK also eigentlich überflüssig.)

Insgesamt ist das MVS also eine schöne Alternative zu den Heimkonsolen, da die meisten Spiele relativ preiswert und auch nur sehr wenige Titel wirklich rar sind (von den MVS-Modulen werden nämlich nach wie vor tausende produziert, und nicht nur wenige hundert wie von den Heimmodulen), und Ihr trotzdem die originalen Games und nicht die CD-Umsetzungen spielen könnt. Wen ein paar kleine Modifikationen hier und das Hantieren mit einem Lötkolben da nicht schrecken sollte zugreifen, und selbst das ist nicht unbedingt nötig wenn Ihr eine gute MAK ergattern könnt. Trotzdem macht der direkte Zugriff auf die Features des MVS viel Spass, und besonders die Income-Statistics, die eigentlich sonst nur die Spielhallen-BetreiberInnen sehen finde ich klasse! Welche andere Konsole verrät mir schon, dass ich bei Strikers 1945+ mittlerweile 368 Plays und 65 Continues angesammelt habe ;-)?


Hardware Revisionen

Die MVS Platinen-Versionen (Anzahl der Slots = Anzahl der maximal gleichzeitig im Gerät steckenden MVS-Carts) Interessant ist, dass wohl auch innerhalb der Serien Revisionen an den Platinen vorgenommen wurden.

1-Slot alt MV1-T

(gross, Stereo, Memory Card- und Joyboardanschluss)

1-Slot Medium MV1-F

(mittlere Länge, Stereo, Joyboardanschluss, kein Memory-Anschluss)

1-Slot neu MV1-FZ

(sehr kompakt, nur Mono (?),keine weiteren Anschlüsse)

1-Slot MV1-B

(nur für Trackball, Irritating Maze KiT! Stereo/Mono??)

1-Slot MV1-?

(mit stehender anstatt liegender Modulführung, sehr neu (?), wahrscheinlich Mono(?), keine weiteren Anschlüsse)

2-Slot MV2-F

(Stereo, alle Anschlüsse, einziges Board mit Memory-Card Slot onboard!)

4-Slot MV4-F

(Stereo, alle Anschlüsse)

6-Slot MV6-F

(Stereo, alle Anschlüsse, braucht viel Strom, auf ausreichendes Netzteil achten!)

– LFO