Metal Slug 3

メタルスラッグ 3

  • SNK

  • 2000

  • Jump'N Shoot

  • NGH / AES | MVS

  • 708 Megs

  • 1-2 Players

Nachdem SNK den Fans der Metal Slug Reihe mit Teil X lediglich einen technisch verbesserten, wenn auch recht guten, Remix bescherte, war die Vorfreude um so größer, als die Info über einen komplett neuen Teil die Runde machte. Und weil es bei SNK bereits nicht mehr nur um die Befriedigung der Fans ging, sondern um die eigene Existenz, war man gewillt eine Bombe in den Arcades der Welt zu zünden.

Auch wenn die Bombe den Untergang SNK’s nicht stoppen konnte, eingeschlagen ist sie bei deren Anhängern dafür umso heftiger. Wie auch im selben Jahr bei Garou schienen die Jungs aus Osaka bei beiden Projekten so viele Überstunden gekloppt zu haben, wie nie zuvor und getreu dem Motto ‚Size Matters’ haben sie sich in Sachen Features diesmal wirklich selbst übertroffen. Aber reicht Quantität, wenn auch in jeder Beziehung, wirklich aus die beliebten Vorgänger in ihre Schranken zu weisen?

Bereits kurz nach dem Absprung in die erste Mission werden zwei Dinge klar. Zum Einen hat man endgültig den Sprung vom Kriegsschauplatz in die wirre Welt der Fantasiewesen getan und nur noch vereinzelt trifft man auf Schergen Morden’s in bekannter Kluft. Stattdessen wehrt man sich vermehrt gegen Riesenkrabben, mutierte Insekten, Zombies, Yetis, Aliens und dergleichen. Der andere Punkt ist die Fülle und die Qualität der unzähligen 2D Objekte. Hier fährt Metal Slug 3 ein vielfältiges Aufgebot genial animierter Sprites auf, das in dieser Form noch heute seines Gleichen sucht. Egal ob Endgegner, reguläre Gegner, Extrawaffen, Bonusobjekte oder Hintergründe. Hier wurde der Standard für Detailverliebtheit wirklich in die Erdumlaufbahn geschossen.

Die Riege der mutigen Einzelgänger wurde unangetastet aus den beiden Vorgängern übernommen und hat man sich für Marco, Eri, Tarma oder Fio entschieden, heißt es Augen zu und durch. Die Tatsache, dass es nun nur noch so von Gegnern auf dem Schirm wimmelt macht das ganze nämlich nicht einfacher. Im Gegenteil, Metal Slug 3 legt einen gesunden Schwierigkeitsgrad an den Tag, der so manchen Abend verstreichen lässt, bevor man eine passable Punktzahl mit einer Null am Ende, sprich ohne Continue, hingelegt hat.
An dieser Stelle wird es Zeit für ein wenig Kritik, denn der Schwierigkeitsgrad ergibt sich leider nicht immer aus ausgeklügelten Angriffsformationen. Unter den Levels wird man zu oft eingedeckt mit Angriffswellen, die als undefinierbarer Pulk von allen Seiten ins Bild stürmen und nur spät erkennt man welche Art von Angriffen gleich auf einen niederprasseln werden. Hinzukommt, dass man bei Metal Slug 3 viel öfter gezwungen ist den feindlichen Projektilen durch Springen auszuweichen, was bei extrem vielen Kugeln auf dem Schirm mit dem holperigen Hüpfer schon mal recht heikel werden kann, vor allem bei einer Hitzone, die ca. 30×30 Pixel groß ist. Da ist Hektik leider allzu oft vorprogrammiert. Hier stellt sich unweigerlich die Frage, ob die Spielmechanik in Anbetracht der Widerstandsfähigkeit einiger neuer Gegner und deren Projektil-Pattern nicht noch etwas hätte aufpoliert werden müssen, um deren Standard gerecht zu werden.

Erschwert wird das ganze noch, befindet man sich im elementaren Neuland, dem Wasser. So genial die Idee mit den Tauchgängen zu Fuß oder in entsprechenden Slugs ist, so träge sind die Bewegungen und das gipfelt in der recht risikoreichen Drehung, will man in die entgegen gesetzte Richtung ballern. Vor allem für Gegner die euch unter Wasser in unbequemen Aufstellungen von oben oder unten angreifen, hat die Basisausstattung eurer Helden keine wirklich effiziente Lösung parat.

Bereits im zweiten Level wird unweigerlich klar, dass man anstelle mit der normalen Waffe auf die Gegner zu schießen, auch mit Feigen nach ihnen werfen könnte. Das Ergebnis würde sich nicht großartig unterscheiden. Bei Metal Slug 3 zählt es, die Ideallinie einzuhalten und sich durch die Befreiung aller Gefangenen und dem Erledigen bestimmter Feinde auf dem Weg immer genügend mit durchschlagenden Extrawaffen einzudecken. Und derer gibt es so unzählig viele, dass die Liste allein einem Messdiener die Tränen der Verzweiflung in die Augen treiben würde.
Die Ideen der Designer sind dabei so aberwitzig wie genial. So zum Beispiel die extreme Supercanon, die nicht nur horizontal für freie Bahn sorgt, sondern beim Auftreffen auf einen Gegner auch noch nach oben hin den Weg frei räumt. Auf diese Weise lässt sich durch geschicktes Timing, ein gefüllter Bildschirm mit Luft- und Bodengegnern in Sekunden Schnelle und mit höchster Effizienz, was Munition angeht, leeren. Die Thunder Cloud folgt einem wie im Vorgänger die Hadokenschleudernde Geisel und lässt den Zorn des Himmels in Form eines Blitzschlages auf die Gegner niederprasseln. Tierfreunde erfreuen sich an dem bewaffneten Schimpansen, der einem auf Schritt und Tritt folgt und, mit einer automatischen Waffe in der Hand, Rache an der Spezies übt, die seinesgleichen normalerweise für Pfefferminz Zahncreme und Kosmetika in ihren Laboratorien sterben lässt.

Natürlich sind auch die Waffen der Vorgänger, die man zu Selbstschutz Zwecken in sein patriotisches Herz geschlossen hat, wie etwa die Shotgun oder der Laser, nach wie vor zu haben. Der Kassenschlager und die erste Wahl, wenn es darum geht, Diktatoren zu stürzen und extraterrestrisch Invasoren zurück auf ihre kahlen Planeten zu scheuchen, ist nach wie vor die Heavy Machinegun. Zwei Wörter, bei deren Ausruf man in sekundenschnelle alle Metal Slug Fans in einer riesen Menschenmenge anhand der leuchtenden Augen und den erwartungsvoll offen stehenden Mündern ausmachen kann.

Eine der effektivsten Waffen, die Blutkotze, bekommt ihr übrigens aus einer Notsituation heraus. Werdet ihr im zweiten Level, einer Zombieverseuchten Außenanlage, von eben diesen Untoten durch Tröpfcheninfektion in ein faulendes Ebenbild verwandelt, seid ihr zwar einerseits zum Erbrechen lahmarschig, dafür könnt ihr im Gegenzug anstelle von Bomben mit dem wohl rekordverdächtigsten Kotzstrahl aller Zeiten den Bildschirm links oder rechts von euch regelrecht ‚totkotzen’. Das dürften selbst Wiesendamen auf dem Oktoberfest noch nicht gesehen haben.
Wem die Waffen nicht genug Abwechslung ins Spiel bringen, dem sei das beste neue Feature von Metal Slug 3 ans Herz gelegt: die Level-Abzweigungen. SNK hat sich viel Mühe gemacht, das Replayvalue ordentlich hochzuschrauben. So habt ihr jetzt die Möglichkeit, beim Durchstreifen der Level unterschiedliche Routen einzuschlagen, auf denen ihr oftmals versteckte Welten mit ihrem spezifischen Set an Feinden vorfindet. Von Untergrundbasen, Südseeinseln oder Wüstenstädten gelangt ihr so zu Eishöhlen, altägyptischen Gräbern, geheimen Unterwasserwegen und vielem mehr. Ein Highlight sind hier mit Sicherheit die eingeschlossenen japanischen Soldaten, die das Ende des ‚Zweiten’ leider nicht mitbekommen haben und beim Anblick unserer Helden ihrem lang ersehnten suiziden Einsatz gegen den Westen entgegenfiebern. Wer alles in Metal Slug 3 sehen will, muss das Spiel mehrmals durchspielen und jedes Level fleißig nach versteckten Eingängen und Abzweigungen absuchen.

Abwechslungsfetischisten, die trotz des letzten Absatzes immer noch mit verschränkten Armen skeptisch auf den dritten Teil schielen, seien herzlich eingeladen eine Fahrkarte für die Reise ins All am Anfang des fünften Levels zu ziehen. In fröhlicher Vertikalshooter-Manier fliegt ihr nämlich schwer bewaffnet eurem Einsatzziel entgegen. Besonders hübsch anzusehen sind dabei die Extrawaffen, die sich bei Aufnahme derselben mechanisch an eurem Schiff ausfahren. Ein weiterer optischer Leckerbissen. Mehr als eine schöne optische Einlage ist der Abschnitt letztendlich aber leider nicht. Shooterexperten werden ihn zwar eher belächeln, als interaktive Zwischensequenz setzt aber zumindest der erste Abschnitt dennoch Maßstäbe. Danach wird es durch die sich immer wiederholende Hintergrundgrafik und die nicht ganz optimale typische Metal-Slug-Bildrate beinahe unspielbar und verursacht dann doch schon mal Kopfschmerzen.

Wer die Aussicht im All nicht genossen hat, ist selbst Schuld, denn danach befindet ihr euch in der Metal-Slug- Hölle. Die finale Mission ist dermaßen mordslang, dass man locker drei Abschnitte daraus hätte machen können. Hier heißt es Zähne zusammenbeißen und, sofern die Möglichkeit besteht, Credits nachschmeißen ohne Ende. Hier angekommen werdet ihr nämlich nicht nur in Sachen Fertigkeit auf die Probe gestellt. Allen Innovationen zum Trotz, die dieses Spiel bietet, erlebt man hier, wie man aus einem Arcadeautomaten mit wenig Aufwand einen Münzfresser der Extraklasse macht. Die Alienpest aus Teil 2/X deckt euch mit zielsuchenden Schüssen ein, mutierte Versuchsobjekte attackieren euch in Endlosangriffswellen, hartnäckige Retroroboter beschießen euch mit Energieringen, denen ihr nur ausweichen könnt, wenn ihr hindurch springt und zu guter letzt müsst ihr euch noch gegen geklonte Zombie-Ableger eurer Kollegen ärgern, die euch mit der ‚Blutkotze’ im Nacken durch die Gänge scheuchen. Und das Level nimmt und nimmt kein Ende. Und alles nur, um wieder mal ruhmreich und mit erhobenem Haupt aus einer weiteren Metal Schlacht nach Hause zu stolzieren, um euren Zeigefinger in Sportsalbe zu baden.
Fazit: Metal Slug 3 ist das Spiel, das man seinen Freunden zeigt, wenn es darum geht, die Power des Neo Geo unter Beweis zu stellen. Auch die angesprochenen Kritikpunkte lassen sich durch den Einsatz eines Freundes oder einer Freundin im 2-Spieler-Modus eindeutig besser verschmerzen, wohingegen sie einem im Alleingang schon mal verzweifelt in den Stick beißen lassen. Wer wie ich wehmütig dem Metal-Slug-Flair des ersten Teils hinterher weint, wird mit einem Sci-Fi Jump’n’Shoot mit gigantischer Detailverliebtheit und enormen Umfang getröstet. Und wenn sich die Kritikpunkte im Rahmen halten, lässt man sich auch gerne mal von so was blenden. Wenn da nur der letzte Level nicht wäre…

Anmerkung zur Playstation 2/X-Box Pal-Umsetzung:

Auch die Umsetzungen für Sonys und Microsofts Konsole konnten Maßstäbe setzen. An Extras wurde hier nicht gespart. Neben einer abspeicherbaren Highscore und diversen Statistiken, wie befreite Gefangene oder den nach Hause gebrachten Schätzen, wird man auch noch mit zwei witzigen Minispielen belohnt. Einmal müsst ich mit den verfetteten Alteregos ein Wettessen bestreiten, bei dem der Schwerere gewinnt während ihr beim zweiten Bonusspiel mit einer Schar Soldaten das Mutterschiff der Aliens stürmt. Die Pal Version ist ungeschnitten und bietet zum halben Preis herkömmlicher Software zudem auch den wichtigen 60-Hz-Mode. Die X-Box Version unterstützt Highscore Jagd via X-Box Live.

KGenjuro | Torsten