Last Hope

  • NG:DEV.TEAM

  • 2006

  • Shoot'em Up

  • NGH / AES | MVS

  • 186 Megs

  • 1-2 Players

Das Neo Geo ist tot. Offiziell. Homebrew-Programmierer interessiert das nicht. Mit Last Hope präsentieren NG:DEV.TEAM alias Timm und René Hellwig aus Hannover den Beweis. Ihr erstes Spiel ist ein 2D-Shooter und erweist sich in unserem Test wie ein bisschen Last Resort und jede Menge Pulstar. Für dieses Neo-Geo-Spiel quälten die beiden Entwickler übrigens keine alten Sprites oder verwendeten bereits gehörte Soundeffekte: Bis auf das Spielprinzip ist alles neu. Dass wir das nach dem Ende von SNK noch einmal erleben dürfen…

Der Spieler fliegt wie in tausend anderen Ballerspielen zuvor mit einem Raumschiff von links nach rechts durch das alienverseuchte All und ballert, was das Zeug hält. Einer muss die Erde ja retten. Sofern er das entsprechende Extra einsammelt, begleitet ihn zu seinem Schutz ein Satellit, der ebenfalls Schüsse abfeuert. Ähnlich wie bei Last Resort rotiert diese Kugel per Knopfdruck um den Gleiter. Mit B kreist das Ding im Uhrzeigersinn, mit C in die Gegenrichtung. Wenn du loslässt, bleibt es an aktuellen Position stehen: sehr praktisch, denn so lässt sich etwa auch nach hinten oder schräg oben ballern. Allerdings erfordert dieses Dreh-Prinzip mehr Aufmerksamkeit als einem bei der permanenten Gegnerdichte lieb ist.

Schaden macht der Satellit an sich bei Gegnern fast keinen, ein echtes Manko. Bei Laune halten den Spieler aber Speed-Ups, Zielsuchraketen und Geschosse nach oben und unten. Wer Schussknopf A gedrückt hält, lädt seinen Laser-Beam. Der Schuss putzt ganze Feindformationen weg und sorgt für einen Punkte-Multiplikator. Auch hinterlassen vernichtete Gegner zum Teil Container mit Extrapunkten. Doch auf Punkte kommt es bei Last Hope kaum an. Es geht ums reine Überleben. Und das ist schade, denn fünf Rekorde sichert Last Hope brav auf der Memory Card. Warum hat SNK das nie gemacht?

Technisch entpuppt sich Last Hope als echter Knaller. Die Trance-Musik passt hervorragend, die gepixelten Hintergründe glänzen mit Details wie Mini-Astronauten, die an riesigen Ventilatoren schweißen. In Level 1 findet sich sogar eine Hommage an den ersten Endgegner aus R-Type im Kleinformat. Gut, die Explosionen sehen nicht so schön aus wie etwa bei Strikers 1945 Plus, aber das ist zu verschmerzen. Besonders da wir keine Stelle fanden, an der das Spiel ruckelt – trotz zum Teil wirklich vieler Feinde und Projektile auf dem Schirm. Doch das ist nicht alles: Eines der sechs langen Levels bietet transparente Plasma-Effekte, ein anderes einen morphenden Endgegner oder farbiges Echtzeitlicht: Uns war bislang nicht einmal bewusst, dass das Neo Geo solchen Schnickschnack überhaupt beherrscht. Einfach grandios! Apropos einfach. Das ist Knackpunkt von Last Hope. Wer ein Spiel sucht, um abends ein wenig vom harten Alltag zu entspannen, ist hier genauso richtig wie ein Karnevalszug auf einer Beerdigung.

Bei diesem Shooter gilt es, in harter Kleinarbeit jeden Millimeter der Levels auswendig zu lernen. Wo taucht die Riesenschlange auf? Wann schießen die Kanonen an der Decke? Wie tief drückt der Wasserfall das Raumschiff nach unten? Welche Bahnen nehmen die Blöcke, denen du ausweichen sollst? Fehler bestraft das Spiel unerbittlich mit dem Tod. Wir starben zu Beginn des Tests im Fünf-Sekundentakt. Ein Zustand der sich auch später kaum besserte. Selbst der leichteste der vier Schwierigkeitsgrade (bei dem weniger Gegner auftauchen und das eigene Schiff zwei Treffer kassieren darf) erweist sich als eisenharte Geduldsprobe. „Last Hope ist kein Spiel, bei dem man am ersten Wochenende durchkommt“, kommentiert Timm. Das stimmt! Ohne Schützenhilfe von Bruder René hätten wir niemals den letzten Level gesehen.

Gegen Ende dreht das Spiel noch einmal auf. Besonders was die Qualität der Endgegner betrifft. Es überrascht zwar bereits der Boss des Eingangslevels neben Lasersalven mit einem coolen Staubsauger-Effekt, der das Spielerschiffs vom Weg abbringt, allerdings bewegt sich der Riese dabei weniger als ein durchschnittlicher Beamter bei der Arbeit. Nämlich fast überhaupt nicht. Viele der Endbosse sind bloß nette Standbilder, die ihr Angriffsprogramm abspulen. Hier hätte mehr Dynamik gut getan. Dass das NG:DEV.TEAM das generell drauf hat, offenbart erst Level 5. Hier zieht der Obermotz alle Register, verwandelt sich mehrfach und zeigt dem Spieler wie man einen Raum regiert.

Die Schwächen im Spieldesign hätten sich durch eine ordentliche Beta-Phase zum Teil sehr einfach vermeiden lassen: Großzügigere Rücksetzpunkte, mehr Extras, leichter erkennbare Trefferzonen, voraussehbarere Flugbahnen für manchen Angreifer und Wrackteile, die nicht wie feindliche Schüsse aussehen, wären ein guter Anfang gewesen. Dennoch bringt das Spiel eine Menge Freude und bietet mit jedem Level immer wieder frische Ideen. Normalerweise hätten wir drei Sterne vergeben, doch Last Hope verleihen wir einen Bonusstern: Noch nie hat uns ein Spiel von Hobby-Entwicklern positiver überrascht und wir honorieren damit das ambitionierte Projekt. Die Heim-Modulfassung limitieren die Hannoveraner übrigens auf 60 Exemplare. Für Neo Geo CD erscheint Last Hope voraussichtlich im August 2006, eine Dreamcast-Umsetzung soll im September folgen. Als nächstes plant NG:DEV.TEAM einen vertikalen Score-Shooter für das Neo Geo.

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