The King of Fighters 2002

Challange to Ultimate Battle

ザ・キング・オブ・ファイターズ 2002

  • Eolith / SNK Playmore

  • 2002

  • Beat'em Up

  • NGH / AES | MVS

  • 684 Megs

  • 1-2 Players

Alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christkind, sondern auch ein neuer ‚King of Fighters‘ Teil auf den Markt und sorgt gleichermassen für Hype, Bashes und die ein oder andere heftige Diskussion in der NeoGeo Gemeinde, denn seit dem ersten Sequel streiten sich die Anhänger des Neo-Kults, ob es sich bei jedem neuen Teil um ein Sahnestück oder eine vermeidliche Mogelpackung handelt.

Im zweiten Non-SNK King of Fighters, mit dem die Serie bereits in die neunte Runde geht, bekommt ihr es wieder wie anno ’98 mit einem Dreammatch zu tun. Wer diesmal träumt ist zwar nicht bekannt, doch falls es wieder Shingo ist, schläft dieser immer noch tief und fest, denn in das 2002er Modul hat er es zusammen mit King, Heidern, Xiangfei, Kasumi, Jin, Hinaku, Bao und Foxy nicht geschafft. Neueinsteiger gibt es diesmal nicht, trotzdem geizt KoF02 nicht mit Kämpfern. Nicht weniger als 39 bekannte King of Fighters Charaktere, ein Secret Team, ein geklonter Kyo und ein Boss (Omega Rugal) haben den Weg in das Modul gefunden, um sich in Dreammatch Manier, ohne viel Story, ordentlich ein’s auf die Mütze zu geben.

In der Sparte Gameplay und Gamefeatures hat sich einiges getan und als lobenswerte Entscheidung ist zu allererst das Entfernen des Striker- und Slotsystem aus KoF’01 zu werten. Gewämmst wird sich diesmal wieder klassisch Drei gegen Drei und deshalb verzichtet der 2002er Teil auch auf die meiner Meinung nach schlimmste Erfindung der Beat’em-Up Geschichte, dem Ratio-System. Der vollständige Verzicht auf Striker dürfte zwar einige Fans der Serie abschrecken, allerdings muss man sich eingestehen, dass es weder unter SNK Leitung, noch unter den Fittichen der Playmore Corporation gelungen ist, das System zu perfektionieren. Aber keine Angst, es wurde natürlich nicht nur genommen, sondern auch gegeben. Ein neues Feature ist der MAX-Mode, den ihr via Druck auf die Tasten B+C für den Preis eines Powerstocks (einmal vollständig aufgeladene Powerleiste) aktivieren könnt. Befindet ihr euch in diesem zeitlich begrenzten Modus, kann euer Recke mehr Schläge einstecken, ‚MAX Super Special Moves‘ ausführen (kostet einen weiteren Powerstock) oder von normalen bzw. Spezial Attacken in andere Moves/Specials canceln. Letzteres verkürzt die verbleibende Zeit des Modus‘ um ein Viertel, wobei der Einsatz einer normalen oder MAX Super Special Technik diesen sofort beendet. Befindet ihr euch mit weniger als einem Viertel Lebensenergie im MAX-Modus und habt dazu noch einen Powerstock im Ärmel, könnt ihr einen sogenannten ‚MAX2 Super Special Move‘ ausführen. Diese Techniken zeichnen sich durch teilweise anspruchsvollere Eingabe-Kommandos aus.
Gewohnte Features, wie etwa das Rollen, Guard Cancel und Knockdown Blows sind natürlich auch wieder mit von der Partie. In Sachen Gameplay wirkt KoF’02 extrem ausgereift (sollte man bei neun Teilen ja auch verlangen dürfen), Flaws/Bugs vergangener Tage sind weitgehend ausgemerzt worden und Timing-Korrekturen bei Move-Pre-Animationen garantieren exakt geplante Counter. Der KoF’02 Flow macht einfach Spass. Auch die Charakterriege an sich wurde nicht ohne die ein oder andere Korrektur aus dem Labor entlassen. Hier muss man dem Entwicklerteam mal ordentlich auf die Schulter klopfen, dass sie den Mut hatten, gewohnte Moves oder ganze Charaktere zu modifizieren. Kleine Details in einigen Outfits, neue Kampfstile, exzellente alternative Farbpaletten für die Kostüme und geschickt verteilte neue Animationsphasen wirken wie eine Frischzellenkur auf das Spiel. Einige Protagonisten, wie etwa Sakazaki Takuma dürfen sogar komplett neu entdeckt werden und machen das Fehlen von Neueinsteigern dadurch wieder wett.

Ein grosser Kritikpunkt des Vorgängers waren die farbarmen Schauplätze und auch was diesen Punkt angeht, dürfen bangende Fans wieder aufatmen. Farbenfroh, enorm animiert und rundendynamisch zeigt sich das diesjährige KoF von einer seiner besten Seiten und Detailspäher erfreuen sich an zahllosen, über die Backgrounds verteilten, bekannten Gesichtern aus beliebten SNK-Prüglern. Hier kann man auch den ein oder anderen Gag beobachten, wie etwa Tung Fue Rue aus der Fatal Fury Serie, der in seiner gewohnt ruhigen Art in der China Stage auf dem Boden schläft und sich eine Runde später vor einem Polizisten verantworten muss.

Auf dem Weg zu Obermotz Omega Rugal, bekommt ihr von Match zu Match die Möglichkeit zwischen zwei Teams als Gegner zu wählen und gegen Ende des Traumes fordert euch auch noch eines von drei N.E.S.T. Mitgliedern (K9999, Kula oder Angel) heraus bevor ihr dem ganzen ein Ende machen könnt und einem der beiden grossen Schwachpunkte von KoF’02 gegenübersteht: Rugal ’not-again‘ Bernstein. Während beim letzten Turnier ein heftiges Aufgebot an Bossen auf den Plan gerufen wurde, wirkt das Finale mit Rugal, obwohl wesentlich fairer als beim Vorgänger, hingeklatscht und es gibt wohl keinen seriösen King of Fighters Spieler, der den Genocide Cutter nicht schon eine Million mal abbekommen und Omega Rugal als Boss satt hat. Hier hätte etwas mehr Innovation nicht geschadet.

Wo wir schon bei Schwachpunkten sind gibt es auch gleich den angesprochenen zweiten grossen Patzer hinterher: die On-Screen Displays. Hier haben die Grafiker komplett versagt. Sei es nun das ‚Round 1‘, das ‚Fight‘ oder das komplette Lifebarset. Hier sieht eigentlich alles grausam aus und zu allem Überfluss passt nix, aber auch wirklich gar nix zueinander. Zwar fällt dieser Punkt dank des ansonsten grösstenteils genialen Spiels nicht weiter in’s Gewicht, aber absolut unverständlich ist es trotzdem.

Mich persönlich trifft auch das Fehlen der genialen Artworks und Portraits aus KoF’01, die in Sachen Dynamik ungeschlagen waren und es geschafft haben, der Präsentation ein frisches Gesicht zu verpassen. Die neuen Grafiken erinnern wieder an alte KoF-Zeiten und zusammen mit den Spielfeatures, die sich in die selbe Richtung orientieren passt es dann wieder ganz gut.

Abschliessend noch eine gute Nachricht, was die musikalische Untermalung des Titels angeht. Entwarnung für alle, die nach einer Stunde KoF’01 Musik eingenässt und zitternd in der Daddelecke kauerten: die Musik ist wieder als solche zu erkennen.

Abschliessendes Fazit: The King of Fighters 2002 übertrifft seine Vorgänger in allen Belangen, gehört zur Elite der NeoGeo Beat’em-Ups und wird hiermit von mir uneingeschränkt empfohlen, sofern man etwas mit Prügelspielen anfangen kann.

KGenjuro