Ganryu

Musashi Ganryuki

武蔵厳流記

  • Visco

  • 1999

  • Jump 'N Run | Hack 'N Slash

  • MVS

  • 178 Megs

  • 1 Player

„Chaos zu allem lebenden Kreaturen zu bringen und die Welt in eine Hölle zu verwandeln: das ist meine Aufgabe und Absicht.“ Oberschurke Kojiro hat finstere Pläne für die Zukunft und macht in den billigen Textsequenzen zwischen den Levels keinen Hehl daraus. Visco (Andro Dunos, Neo Drift Out) hat wieder einmal sein Bestes gegeben und ein Jump & Run für das MVS kreiert. Wie zahlreiche Beispiele beweisen, ist das Beste von Visco oft leider genau das, was bei anderen Herstellern nicht durch die Qualitätskontrolle kommt. Ob Ganryu oder Musashi Ganryuki wie es in Japan heißt hier eine Ausnahme macht?

Held des Spiels ist Muskelprotz Mushashi oder nach Wahl die flinkere Suzume. Durch fünf Levels müssen Sie sich mit einem der beiden kloppen, bevor die Welt gerettet ist. Die meiste Zeit verbringen Sie damit, eine Hand voll recht einfallsloser Möchtegern-Ninja zu plätten, die immer wieder auftauchen (wie ich das hasse!). Bevor Sie anfangen verzweifelt das Dipschalter-Menü Ihres MVS-Gerätes zu durchforsten: Das Blut bleibt bei allen Ländereinstellungen grün. Als Standard-Ausrüstung führen Sie ein Schwert mit sich und werfen einen mechanischen Greifarm aus. Mit dem Metallgrabscher können Sie sogar wie Tarzan durch die Gegend schwingen. Wer Bionic Commando oder Turrican 3 noch kennt, ist bereits bestens damit vertraut.
Dieses Element kommt leider kaum zum Einsatz, da es bis auf eine Stelle in Level 4 gewöhnlich viel komfortabler ohne voran geht. Auch der Charge-Schuss kommt in der Praxis kaum zum Einsatz.

Grafisch ist das Spiel gar nicht so schlecht, aber relativ detailarm. Da sah bereits Magician Lord neun Jahre früher besser aus. Auch der asiatische Düdelsound klingt nach Fahrstuhlmusik und eignet sich höchstens dazu, unliebsame Nachbarn zu quälen. Um die Frage von oben zu beantworten: Visco schafft auch mit Ganryu nicht den Sprung aus dem leicht unterdurchschnittlichen und firmentypischen Einheitsbrei an Billigspielchen. Ganz so schlecht wie das jetzt klingt ist der 99er Shinobi-Verschnitt dennoch nicht. Das liegt vor allen Dingen an den zum Teil etwas ansprechenderen Endbossen. Besonders der vorletzte hat mir recht gut gefallen. Am Anfang habe ich ihn noch als Ausgeburt der Unfairness verflucht, aber mit Taktik und gutem Timing ist der Bursche zu knacken. Schwer bleibt er trotzdem: Der riesige Dämon prescht gleich mit vier verschiedenen Angriffswellen vor, die bestimmte Aktionen Ihres Kriegers oder Ihrer Kriegerin erfordern. Fegt der Riese beispielsweise mit seiner Faust über den Bildschirm, müssten Sie sich sofort ducken oder wegrutschen, sonst erleidet Ihre Energieleiste schmerzhafte Verluste.
Der Hauptteil des Spiels langweilt durch Mittelmäßigkeit. Rennen, schlagen und hoffen, dass man vor seinem Bildschirmtod den nächsten Rücksetzpunkt erreicht: Das ist schon alles. Abwechslung soll durch kleinere Abzweigungen, Alternativrouten, zu befreiende Geiseln und Bonuskisten generiert werden. Das geht allerdings in die Hose. Mehr als einmal wird wohl kaum jemand das Plattformspiel durchdaddeln. Selbst Fiesling Kojiro freut sich, dass man nicht gleich nach dem ersten Level wieder abgeschaltet hat: „Ich bin froh, dass du es soweit geschafft hast.“ Na dann. Auch zu zweit wird die Sache nicht besser, denn man kann nur nacheinander loslegen. Spannend, oder?

Seine Daseinsberechtigung zieht Ganryu hauptsächlich aus der Tatsache, dass es in diesem Genre kaum Alternativen am MVS gibt. Am Super Nintendo würde längst niemand mehr von dem Spiel sprechen. Hätte man da bei Visco nicht wenigsten die einzelnen Elemente noch etwas besser aufeinander abstimmen können? Was bringen schon die tollen Dynamitstangen als Extrawaffen, wenn man damit die Angreifer sowieso kaum trifft. Die Wurfsterne oder die magischen Flugkugeln (umkreisen den Spieler) sind da als Extrawaffen schon etwas wirkungsvoller. Trotzdem: Mit dem Schwert schneidet es sich noch am besten durchs Spiel. Wenn Sie Ganryu unbedingt haben müssen, geben Sie zumindest nicht zuviel Geld dafür aus. Es lohnt sich nicht!

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