Captain Tomaday

キャプテン・トマディ

  • Visco

  • 1999

  • Jump'N Run

  • MVS

  • 122 Megs

  • 1-2 Players

Captain Tomaday, Viscos vorletztes Spiel auf dem Neo, ist ein sehr merkwürdiger Vertreter des Genres Shoot´em Up. Grafisch sieht das Spiel aus wie eine Mischung aus „Pop´N Twinbee“ (Konami, SNES) und „Day of the Tentacle“ (Lucas Arts, PC), spielerisch geht das Ganze aber mehr in Richtung Galaxian (Namco). Die wirklich krass krummen Bauten und Gegenstände in den Hintergründen oder den beiden Vorspännen (hier ist CT auf höchstem Neo Geo Niveau) sehen sehr ungewöhnlich aus und machen tatsächlich einige Lust auf das Spiel. In puncto Hauptcharakter (Aus Unfall im Bio-Labor entstandene Super-Tomate mit zwei Fäusten) und dessen Steuerung geht Visco neue Wege, denn ungewöhnlich ist neben der Gestalt einer Tomate auch, dass beide Fäuste getrennt mit zwei Buttons abgefeuert werden können (A und B, glücklicherweise durch gedrückt halten Dauerfeuer). Wird nur eine Faust permanent benutzt lädt sich die andere währenddessen auf und kann dann mit verstärkter Wucht – die sogenannte Super Blow Attack – abgefeuert werden (was auch bitter nötig ist). Neben den typischen Extras für Punkte und Live Up gibt es noch zwei weitere Items, die stilecht in einer Tomatendose geliefert werden und, etwas unpraktisch, durch Treffer mit der Faust wieder zum oberen Rand des Bildschirms geschleudert werden. Zum einen wäre da das „Mutant Item“, welches das eigene Sprite laut MVS-Flyer in bis zu 17 verschiedene Gestalten verwandeln kann! Und da sind vielleicht ein paar coole (und krasse) dabei… Mein Favorit ist eine Power-Karotte, die gleich über vier Fäuste (für ein Halleluja!) verfügt. Ein Blumentopf mir dreifach Spread-Schuss oder ein Spielzeug-Flugzeug (Strikers!… naja so ähnlich) sind aber auch keineswegs schlecht.

Das Durchprobieren der verschiedenen Formen macht eine Menge Spass, nur leider ist das CT echt schwer und ein paar der möglichen Sprites zur effektiven Gegenwehr alles andere als gut geeignet. Zum zweiten gibt es noch das „Clone Item“, das die eigene Figur in guter, alter Galaxian Manier verdoppelt (hier kann dann mit C die Formation gewechselt werden), allerdings bekommt Ihr, unabhängig von der eigenen Form, immer eine Tomate an die Seite gestellt (die aber durch Mutant-Items getrennt vom ersten Sprite verändert werden kann). Leider gibt es das Clone-Item (wegen relativ starker Slowdowns, s.u.) nur im 1-Player Mode. Ebenfalls nicht alltäglich ist, dass das Scrolling der sehr detaillierten und schönen Hintergründe (wenn ihr auf das krasse Design steht) an zwei oder drei Stellen mitten im Level stoppt und dann eben „stehend“ gegen die eher konventionellen Feindformationen gekämpft wird. Hier stört mich am meisten, das diese Idee den Eindruck macht als hätten die Leute von Visco damit die Spielzeit künstlich erhöhen wollen, denn ohne dieses Feature wären die fünf Stages (davon eine Bonus-Stage) wahrscheinlich in 20 Minuten durch. Dummerweise wird mit dieser Idee aber genau das Gegenteil von dem was eigentlich passieren sollte bewirkt (längerer Spass durch längeres Game), denn für 20 Minuten Spass hätte das Gameplay einiges hergegeben. Durch das andauernde anhalten wird Captain Tomaday aber schnell langweilig, da es manchmal scheinbar ewig dauert bis es endlich weitergeht. Sehr schade, denn mir gefallen die vielen verrückten Sprites der ausserirdischen Invasoren (an Sprites ist von Erdnüssen über diverse Arten Gemüse, von Drachen bis zu Messer und Gabel nahezu ALLES dabei!) sehr gut, und vor allem die 4 Bossgegner sind sehr lustig und kurzweilig in ihren Attacken.

Apropos Bosse! Nicht nur die, alle anderen Gegner in CT feuern schon auf Level 1 aus allen Rohren, und es ist wirklich bemerkenswert wie schwer ein so niedlich aussehendes Spiel sein kann. Auch von daher kann ich Visco’s Entscheidung für die „Stop-Stellen“ im Level nicht nachvollziehen. Technisch bietet Captain Tomaday ein durchwachsenes Bild, da die Grafik insgesamt, die zwei(!) Vorspänne und der Abspann (stellt mit schlechtem Englisch Samurai Spirits locker in den Schatten) sehr schön gezeichnet sind und schon so etwas wie einen eigenen Stil haben. Dieser wird aber mit Slowdowns erkauft, die zu zweit gleichzeitig fast unglaublich sind. Und das bei einem Giga Power Modul! Nachdem ich das Game jetzt länger gespielt habe weiss ich noch weniger, was ich davon halten soll als vorher. Ich stehe total auf das Design und die vielen abgefahrenen Ideen, und mit etwas Übung ist es auch mit zwei Fäusten möglich den gegnerischen Angriffswellen zu trotzen. Aber die mässige technische Umsetzung (nicht so schlimm!) und vor allen Dingen diese über alle Massen nervenden und langweiligen Stops in den Levels vereiteln mir einiges an Spielspass. Schade um die coole Idee! (Ich habe trotz des schönen Designs abgewertet!)

LFO