Art Of Fighting 3 – The Path of the Warrior

Ryuuko no Ken Gaiden

龍虎の拳 外伝

  • SNK

  • 1996

  • Beat'em Up

  • NGH / AES | MVS | CD

  • 298 Megs

  • 1-2 Players

1996 präsentierte SNK den dritten und leider letzten Teil der Art of Fighting Trilogie und das Entwicklungsteam hat alles darangesetzt, einen würdigen Nachfolger zu schaffen. Was die Serie auch mehr als verdient hat, denn die Riesensprites von Art of Fighting waren nicht wenig am damaligen Erfolg des NeoGeos beteiligt. Auch im dritten Teil sind die Sprites alles andere als klein, warten aber zusätzlich auch noch mit gnadenlos smoothen Animationen auf. Hier gibt es ja diverse Statements von SNK, was eine 2D-Motion Capture Prozedur angeht, ich persönlich halte diesen Aspekt aber für unglaubwürdig. Nichts desto Trotz sind die Recken und Schauplätze eine wahre Augenweide, die auch heute noch überzeugen kann.

Das Charakter Line-Up wurde bis auf die beiden Helden Ryo Sakazaki und Robert Garcia komplett ausgetauscht und beinhaltet alles, was das Prügelherz begehrt. Da wäre zum einen Kasumi, ihrerseits Tochter aus dem Hause Todoh, die sich auf die Suche nach unserem Ryo macht, um ihn wegen dem Verschwinden ihres Vaters zur Rede zu stellen. Aber nicht nur Ryo wird verfolgt; auf Robert’s Spuren befindet sich gleich eine ganze Horde von Verfolgern. Karmen Cole sucht ihn im Auftrag des Hauses Garcias und macht dem Henchman-Klischee alle Ehre. Mit Sonnenbrille und feinem Zwirn will er den ausgebüchsten Sprössling wieder zurück zu Mutter Garcia bringen. Weniger auf Robert selbst, sondern auf seine weibliche Begleitung Freia Lawrence haben es das Kopfgeldjäger Pärchen Lenny Creston und Rody Birts abgesehen. Mit Peitsche bzw. Tonfas stellen sich die beiden dem Kampf. Abgerundet wird das Line-Up mit Jin Fuha, dem Schüler von Ex-AoF Ninja Star Eiji Kisaragi und Wang Koh San, einem koreanischen Vagabunden, der auf der Suche nach einem geheimen Elixier ist und der von dem Pelikan Hoeh-Hoeh in seinem Rucksack begleitet wird. Das besagte Elixier wird vom Mittel/Endboss Duo gehütet, das aus Sinclair, einer Schönheit aus dem Orient und Whyler, einem exzentrischen Wissenschaftler besteht.

Schauplatz des Prügelspasses ist diesmal übrigens nicht South Town sondern Glasshill Valley, ein verschlafenes Nest in Mexico. Via Karte seht ihr zwischen den Duellen, wo ihr euch gerade befindet und wo ihr euch hinbewegt. Im Kampf gegen das diabolische Duo setzt ihr natürlich auf eure Fäuste und hier glänzt AoF3 ein weiteres Mal. Neben den Animationen dürfte auch die Engine im 2D-Bereich revolutionär sein, denn hier bekommt ihr es mit einem Rush-haltigen Comboverhalten zu tun, sprich: ihr könnt euren Gegner mit Schlag- und Tritt Kombinationen eindecken und ihn dabei noch von euch wegdrängen (bekannt aus 3D-Prüglern wie etwa Virtua Fighter). Leider hat Art of Fighting 3 auch das Knockdown Verhalten aus diversen 3D-Titeln übernommen, was ich persönlich als das grösste Manko des Spiels betrachte. Nicht nur Rush-Combos, auch die stärkeren Basic-Attacken und natürlich Special Moves befördern euch fast immer sofort zu Boden, von dem ihr nicht sofort wieder aufspringen könnt, was den ansonsten so herrlich flüssigen Spielablauf, hart unterbricht.

Thema Special Moves: hier fällt auf, dass diese eher spärlich gesät sind, was bei der Engine allerdings nicht wirklich ins Gewicht fällt, da es umso mehr Basic-Manöver gibt, die sich teilweise recht locker in 3-6 Hit Combos einbauen lassen. Auch an Supermoves soll es den Kämpfern nicht fehlen und diese sind auch in Art of Fighting 3 wieder von der Lebensenergie abhängig. Die Moves gestalten sich zwar, wie zu der Zeit üblich, wenig spektakulär, dafür aber umso effizienter. Interessant ist hierbei, dass ihr mit den Superattacken sogar einen Ultimate KO erzielen könnt, sofern euer Gegner nur noch über einen Fitzel an Energie verfügt, wenn ihn der Move trifft. Dieses ultimative KO zählt dann für das ganze Match und das könnt ihr auf diese Weise auch schon in der ersten Runde komplett für euch entscheiden. Den Gegnern, die ihr auf diese Weise fertig macht, zerreisst es unter der Wucht des Angriffs dann sogar die Kleidung! Nach wie vor zehren eure Special- und Supermoves, wie in der AoF Serie üblich, von einer Staminaleiste, die mit jedem Einsatz einer Spezial Attacke oder eines Supers abnimmt und durch Gedrückthalten eines der vier Buttons wieder aufgeladen werden kann. Mit dem D-Button wird wieder ordentlich ‚gerazzt‘ (Verhöhnen des Gegners) und erfolgreich ausgeführte Razz-Animationen ziehen eurem Gegner ungefähr ein Viertel der Staminaleiste ab. Die restlichen drei Tasten stehen repräsentativ für Schlag, Tritt und harte Attacke/Würfe.

Die einzelnen Stages sind wunderschön gezeichnet, tageszeitabhängig, zoomen weit auseinander und sind teilweise auch interaktiv. So könnt ihr in der Bar die Begrenzung zerstören, in der Whyler-Residenz die Bücher aus dem Regal befördern und ihr seht wie sich die Grasshalme nach dem Ausführen eines Haoh-Shoh-Koh-Ken biegen. So schön die Hintergründe, Ryo und Co. in Szene gesetzt sind, so komplett versagt hat das Team beim Endgegner Whyler. Was sich einem hier darbietet, kann nur mit Schluderigkeit verglichen werden und kann auch nicht mit Zeitdruck entschuldigt werden. Fehlende Animationen, wie etwa das Aufstehen, wurde bei Whyler einfach mit Tweening gelöst (er richtet sich wirklich nur in einem 90 Grad Radius auf!) und seine Special Moves sind weder spektakulär noch schön anzusehen. Dafür aber gewohnt überpowert. Habt ihr dieses Elend verdientermassen vom Platz gefegt, bekommt ihr als Belohnung einige Animationen und aufschlussreiche Dialoge. Bei Ryo und Robert gibt es sogar noch zwischen den Kämpfen Cut-Scenes zu bestaunen, die den jeweiligen Konflikt einleiten.

Musikalisch bewegt sich das Spiel in einem mexikanischen Rahmen, was zusammen mit den Schauplätzen ein dichtes, mittelamerikanisches Ambiente schafft. CD-User müssen Beschneidungen bei Sprite und Hintergrundgrösse in Kauf nehmen, werden allerdings mit einigen witzigen Extramenüs vertröstet, in denen ihr z.B. einen der Helden farblich umgestalten dürft (wird abgespeichert!) oder die Schadenswerte für Würfe und dergleichen neu definieren könnt. Auch auf erspielte Abspänne und Zwischendialoge könnt ihr in diesen Menüs zurückgreifen. Wer es als CD-User ganz exquisit mag, besorgt sich die Hoeh-Hoeh Maniac Collection. Hier liegt neben einem kleinen Artbook und Aufklebern auch noch Robert’s geprägte Münze bei!

 

Fazit: Art of Fighting 3 ist ein Prügel Diamant, der aus welchen Gründen auch immer, nicht komplett glatt geschliffen wurde. Trotzdem: als Bilanz bleibt unterm Strich immer noch ein geniales Beat’em’Up, das durch seine unkonventionelle Art zwar weniger Einsteigerfreundlich, für Profis dafür aber umso empfehlenswerter ist.

KGenjuro | Torsten